Mittwoch, 24. April 2013

Wie Algen ein Haus überfluten



Der Film zeigt, wie die Fassade des BIQ-Passivhauses am 24. 4. 2013 mit Algen befüllt wird. Das "Algenhaus" wurde im Rahmen der Internationalen Bauausstellung (IBA) Hamburg-Wilhelmsburg errichtet. In seiner gläsernen Bioreaktorfassade stellen Algen durch Photosynthese Biomasse her, mit der sich Energie erzeugen lässt. Außerdem regulieren sie wie lebende Jalousien die Lichteinstrahlung in die Mietwohnungen. Die wachsenden Algen im blubbernden Wasser sorgen für eine ständig sich bewegende und verändernde Sonnenseite des Gebäudes.

Mittwoch, 17. April 2013

Ein schlafendes Monster




40 Meter hoch erhebt er sich auf einer Elbinsel in Hamburgs größtem Stadtteil Wilhelmsburg. Der sogenannte "Energieberg Georgswerder" entstand in den letzten Jahrzehnten durch Menschenhand. Nach dem zweiten Weltkrieg wurden hier die Trümmer der zerbombten Stadt aufgeschichtet. Später diente der Ort als Mülldeponie, auf der auch Industrieabfälle und hochgiftige Chemikalien gelagert wurden. Die Flüssigbecken und Fässer liegen heute 15 Meter tief im Berg begraben.






Erst 1979, nach zunehmenden Protesten wegen der Umweltrisiken, kam es zur Schließung der Deponie. Auf ihrem Untergrund hatte sich inzwischen meterhoch Regenwasser gestaut, das die Chemikalien auszuschwemmen drohte. Als "Seveso-Dioxin" entdeckt wurde, mussten radikale Maßnahmen zum Schutz der Umgebung ergriffen werden. Die Giftstoffe wurden am Ort belassen und in aufwändigen Verfahren von der Umwelt isoliert und mit Erdreich bedeckt. Anlagen filtern Sickerwasser, das vom Berg kontaminiert und ins Grundwasser gelangen kann. Verschiedene Mess-und Überwachungsvorrichtungen kontrollieren ständig das Geschehen im Inneren des Berges. Einige von ihnen ragen wie gut sichtbare Kanonenrohre aus dem Erdreich hinaus. Durch Zersetzungsprozesse entsteht Methangas, das von der benachbarten Kupferhütte verarbeitet wird.



Der Energieberg bekam seinen Namen, weil auf seinen 45 Hektar Windkrafträder und Solaranlagen stehen und auch Geothermie genutzt wird, um Strom für 4000 Haushalte zu erzeugen. Er ist Teil eines Projektes, das die Elbinseln in den nächsten Jahren zu umweltfreundlichen energetischen Selbstversorgern machen soll.




Über Jahrzehnte war der Berg hinter Zäunen versteckt. Ab März 2013 ist ein Areal von der Größe der Hamburger Binnenalster für die Öffentlichkeit zugänglich. Wer nach oben auf den "Horizontweg" steigt, hat einen weiten Blick über Elbe, Hafen und die Hamburger Skyline. Zahlreiche Wildtiere siedeln hier, aber der Schein sollte nicht trügen: Dies ist kein normales Ökosystem, sondern ein schlafendes Monster. Im Bauch des Berges schlummern Dioxin und Co. und es erfordert tägliche Anstrengungen. die Gifte von ihrer Umgebung fernzuhalten. Dazu gehört auch, besonders kräftig  wachsende Bäume regelmäßig zu stutzen, damit die bis zu drei Meter dicke Schutzdecke mit ihrem zwei Millimeter starken Kunststoffkern nicht beschädigt wird.



Samstag, 6. April 2013

Warum werden Fotografen bezahlt?


Bei stern.de läuft es so: Täglich trudeln tausende Fotos über die redaktionsinterne Plattform ein, die von ausgewählten Agenturen beliefert wird. Mit den Anbietern wurden laut Redakteur Jens Maier Pauschalverträge abgeschlossen, eine Monatsflatrate. Er und seine Kollegen können nach Herzenslust aus dem Bildmaterial auswählen – zusätzliche Kosten entstehen lediglich in einem gesonderten Segment für Promi-Bilder.
Freie Fotografen haben in diesem System keine Chance. Natürlich würden die Redakteure ihre Bilder kaufen, wenn Sensationen wie die Landung eines Ufos auf der Elbe gezeigt würden. Allerdings nur zu einem Preis, der einen Vertragsabschluss höchst unwahrscheinlich mache. Man kann es also drehen und wenden – die Situation für freie Normalfotografen ist im beschriebenen Fall nicht nur schwierig, sondern faktisch abgeschafft. Bei den Print-Medien sieht ihre Situation ebenfalls nicht rosig aus – was Nils Bahnsen, Leiter des Arbeitskreises Bildjournalisten im DJV Hamburg auf einer Veranstaltung seines Verbandes mit den Worten kommentierte, man habe früher dem Mittelstand angehört und lebe heute in prekären Verhältnissen.


Der Geiz der Online-Redaktionen erklärt sich insofern, als sie nach wie vor keine Gewinne machen. Daher wird die Vorliebe vieler User für Filmchen umso lieber gesehen. Hier lassen sich Werbespots vor das Video schalten, ohne dass der Zuschauer sie wie bei Fotobeiträgen leicht wegklicken kann.

Und wie steht es mit der "Paywall", der von vielen Verlagen erwünschten kostenpflichtigen Nutzung journalistischer Beiträge? Jens Maier ist skeptisch. 50 Cent zahle vielleicht jemand für einen aktuellen Testbericht über Waschmaschinen, falls dringend eine neue benötigt werde. Aber nicht für einen Artikel über Bundeskanzlerin Merkels Gebaren in der Zypern-Krise. Vor allem jüngere Leute, die sich mit Vorliebe über Facebook-Netzwerke informierten, könne man damit kaum zum Bezahlen verlocken.

Digitalfotografie und Internet haben das Fotografieren weiter erleichtert und in den letzten Jahren noch populärer gemacht. Damit potenzierte sich die Zahl der täglich geknipsten Bilder. Während stern.de laut Maier vor wenigen Jahren Mühe hatte, ein frisches Papstfoto zu ergattern, wurde die Redaktion nach der Franziskus-Wahl mit Material überflutet. Von den preiswert bezahlten Agenturen wohlgemerkt.

















Selbstständige Bildproduzenten müssen einen beachtlichen Mehrwert bieten, um berücksichtigt zu werden. Sind sie berühmt wie  G.M.B. Akash und besteht die Hoffnung, dass ihre Fotos wichtige Preise gewinnen, wird eine Veröffentlichung wohlwollend geprüft. Denn hier besteht die Chance, das Image der eigenen Medienmarke zu stärken.
Darüber hinaus habe die besten Vermarktungschancen, wer auf originelle Weise eine Nische bediene. Wie jener Schiffstester, der Kreuzfahrten multivisuell und kundenorientiert präsentiert. Die gestiftete Aufmerksamkeit für Seereisen regt Veranstalter zu Anzeigen an. Beispielhaft sei auch jene website, auf der die Bordmenus von Airlines besichtigt werden können – ein äußerst erfolgreiches Konzept…
Fotografin Evangeline Cooper empfiehlt konsequente Selbstvermarktung: Wer auf auf Xing, Linkedin oder Facebook aktiv sei, habe bereits viel richtig gemacht. Und: Bei jedem Familientreffen, jeder Party erzählen, dass man fotografiere! Dann bitte bestimmt mal jemand um ein Hochzeitsshooting. Bloß nicht davor zurückschrecken, so die Empfehlung, über das Mittagessen oder die Befindlichkeit bei der Taxifahrt zu twittern. Die Zwitscher-Kommunikation brachte der Fotografin nach eigener Angabe jede Menge Geschäftskontakte ein. Sie verdient ihr Geld allerdings weniger im Journalismus, sondern mit Workshops, Mode-und Produktfotografie und als Bildbearbeiterin.


Vorbei sind die Zeiten, als jeder für 10 Minuten ein Star sein konnte. Heute ist die Zahl der öffentlichen Menschen, der Wust gekonnter, origineller oder schriller Darbietungen im Internet so groß, dass es nahezu Genialität braucht, um sich von der Community abzuheben. Die gleichmachende Kraft des Massenmediums sorgt für die Wiedergeburt der klassischen Künstlerpersönlichkeit. Nur wirkliche Stars haben noch eine Chance. Die wenigsten also. Das gewöhnlichste aller Medien frisst seine Kinder zugunsten des Außergewöhnlichen. Wer hätte das gedacht.


Jean Cocteau von Jean Cocteau