Montag, 25. Februar 2013

Fotoerlaubnis für Versailles





Wo andere Großstädte ihren Speckgürtel besitzen, wartet Paris mit der Île-de-France auf.
Eine Region mit auffällig vielen Schlössern und Parks, reizvollen Landstädtchen und Wäldern. Und Versailles, dem Königspalast. Ludwig d. 13. begründete ihn durch den Bau eines kleinen Jagdschlosses. Sein Sohn, der "Sonnenkönig", sorgte seit 1661 für umfangreiche Erweiterungen und auch die nächsten beiden Könige bauten um und an. 1789 zieht der von der Revolution bedrängte und bald kopflose Ludwig XVI. mit Ehefrau Marie Antoinette aus den königlichen Gemächern aus.




Was ist Ihr Auftrag und Ihre Sendung? Länge des Beitrags, Redaktion, Erscheinungstermin?
Die Dame von der Presseabteilung verteidigt ihre Fotoerlaubnis mit Zähnen und Klauen. Immer wieder beginnt das Frage-und Antwortspiel von neuem.  

Gut vier Kilometer entfernt von Versailles liegt der kleine Ort Buc. Ein Flüsschen, Pferdekoppeln und ein Schloss schmücken das Provinznest. Das Dorfzentrum mit rauschendem Bach, kleiner Kirche und ein paar Geschäften und Lokalen liegt in Bas-Buc. Ausflügler zirkulieren über Waldspazierwege zum Stausee und hinauf nach Haut-Buc, das auch über eine steile Steintreppe zu erreichen ist. Der Schlosspark liegt entspannt da. Bänke und Statuen, Gloriette, Plastiken und Grünflächen mit Blick auf die Salonfenster des einstigen Herrschersitzes regen anmutig das Auge an – wozu eigentlich noch nach Versailles zehn Autominuten entfernt fahren? Während den Park von Château de Buc nur wenige Müßiggänger genießen, marschieren durch Versailles täglich Heerscharen wie ferngelenkt. Sie kommen zum Königsschloss, weil es wichtig sein soll, und nicht, so scheint es, weil sie es wichtig finden.



Erst in den Pyrenäen trifft die Fotoerlaubnis ein. Die in Aussicht gestellte Genehmigung, außerhalb der Besuchszeiten die Innenräume abzulichten, wird hingegen wegen Personalmangel am betreffenden Tag nicht erteilt. Der Mailwechsel mit der Pressedame ist inzwischen so ausschweifend, dass die Ansprache persönlicher, mitunter herzlich wird. Im Hin und her kam es zu kleinen persönlichen Offenbarungen, Missverständnissen, Verärgerungen, Entschuldigungen und vielen guten Wünschen. Nun gibt es keinen Grund mehr, den Schriftwechsel fortzusetzen. Der Weg von Saint Jean Pied de Port zum Flügel der Minister von Schloss Versailles, wo die Genehmigung übergeben werden soll, ist aber noch weit.    

Auf verschlungenen Wegen, durch Wälder und Vorortsiedlungen geht es von Buc hinab nach Versailles. Eine geordnete Stadt. Vor Fin de siècle-Fassaden weht ein Hauch von Paris. Die Durchfahrtstraßen sind keine Schönheiten, aber ohne rabiaten Verkehr. In den schnurgeraden, dörflich schmalen Wohnstraßen herrscht sonntägliche Ruhe. Man geht über sie wie über Stufen zur großen Bühne: der ausladenden, drei Kilometer langen Avenue de Paris. Sie führt zum Place d'Armes, an dessen Ende ein urzeitliches Monster auftaucht. Ein gestrandetes Ufo, eine Pyramide, ein Vulkan – nein, Schloss Versailles. Seine oft geschilderte Monumentalität ist buchstäblich beeindruckend. Ein Prunkmonster, das mit Verschlingung droht, schockiert das Nervensystem.





Über den Vorplatz, vorbei am Heer parkender Wagen, kommen und gehen die Besucher. Da wird das Schloss-Phänomen in die Normalität zurückgeholt, wirkt überschaubarer. Die Menschen machen einen gelassenen Eindruck. Sie plaudern, scheinen alltäglichen Gedanken nachzuhängen und verlassen zielstrebig den Ort.








Sonntag, 17. Februar 2013

Weisheit

"Warum also hatte er es getan? Weil er nicht anders konnte! So etwas gehörte dazu, wenn man Oliver Fox war. Und dass er Oliver Fox war, ruinierte sein Leben."

Michael Frayn, WILLKOMMEN AUF SKIOS,  Hanser Verlag