Montag, 17. Dezember 2012

St.Estèphe: Médoc für Romantiker


Also gut, es gab einige der berühmtesten Weingüter der Welt zu sehen, die in pittoresken Gebäuden residieren. Ungehindert durften wir durch Rebplantagen spazieren, deren Trauben unfassbare Geldbeträge einbringen sollen: Mehre hundert Euro pro Liter alkoholisch vergorenem Saft. Wir konnten über den "Mouton-Buckel" zuckeln – einen Hügel von 30 Metern, der wegen seiner Höhe die Pflanzen zu langverzweigtem Wurzelwerk und damit zur Produktion von besonders hochwertigem Rebsaft animiert, Diese Welt ist interessant, ansehnlich und imposant, aber keine Landschaft, die von sich aus das Herz höher schlagen lässt. Es ist die Appellation Pauillac – ein landwirtschaftliches Nutzgebiet mit dem Vorzug, Rebstöcke statt Kohlköpfe und Schlösser statt Gehöfte hervorgebracht zu haben. Wir könnten es damit gut sein lassen – und würden einen Fehler begehen.
                                                                                                             


Mouton Rothschild im Regen

  
Von Pauillac führt die Uferstraße in gerader Linie nach Norden. Wir befinden uns auf dem Weg ins – Médoc. Denn nicht nur die gesamte Halbinsel mit allen Grand Cru Gemeinden wird so bezeichnet. Es gibt auch die Einzelappellation Médoc. Genau wie innerhalb des Haut-Médoc neben Pauillac, Margaux, Listrac, St. Julien, Moulis und St. Estéphe die Appellation Haut-Médoc existiert. Médoc unterteilt sich also ins Haut-Médoc und Médoc. Letzteres wurde früher Bas-Médoc genannt, was die Orientierung vereinfacht. Aber es war wohl nicht mehr erwünscht, eine Anbaufläche mit dem Zusatz "niedrig" oder "tief" zu kennzeichnen, der ja auf die Qualität bezogen werden könnte. Zumal sie tatsächlich im Schatten des Haut-Médoc steht und über kein Grand Cru-Gewächs verfügt.
An der Spitze des Médoc fließt die Gironde ins Meer. So weit fahren wir allerdings nicht, sondern nur bis zur letzten Haut-Médoc Appellation: St. Estèphe.





















Die Umgebung wirkt jetzt einsamer, sich selbst überlassener, offener. Landeinwärts ist sie flach und wenig bebaut. Der breite, braune Strom dominiert das Bild. Trotz des immer sichtbaren Atomkraftwerkes besitzt die Uferregion einen idyllischen Zauber. Wir kommen an ausgedehnten Weinparzellen vorbei, hinter denen sich das Grand Gru-Gut Montrose verbirgt.


Wir verlassen die Uferstraße in westlicher Richtung und werden von St. Estèphe überrascht. Was für ein Gegensatz zum gutbürgerlichen Pauillac! St. Estèphe wirkt dörflicher, ohne langweilig provinziell zu sein. Die Häuser sind von einer klaren, niedrigen Struktur und viele strahlen eine helle, elementare Schönheit aus. Damit passen sie sogar zur klassischen Charakterisierung von St. Estèphe-Weinen, die oft als besonders eckig und kantig, erdverbunden und langlebig beschrieben werden.










Die Reben sind hier präsenter als in Pauillac, wachsen in den Ort hinein und ein Schleichweg durch einen Winzerbetrieb führt fast bis zum Place des anciens combattants. Dort hat schräg gegenüber der Kirche das niedliche Maison du Vin seinen Sitz. St. Estèphe ist ein Weindorf, das Klischeevorstellungen von einem "Ort des Weins", der authentisch ist und sich auf Qualität konzentriert, prima entspricht. Anders als in berühmten deutschen Winzerdörfern fehlen sogar die Weinstuben, die Schanktische unter freiem Himmel, die Flaschenangebote auf Schritt und Tritt, die Werbetafeln, Menschenmengen und andere Insignien touristischer Weinseligkeit.






                                  

Die Atmosphäre ist ruhig und kontemplativ, man könnte sich ewig aufhalten, einfach auf die Straße oder den Platz setzen und die Zeit passieren lassen. Aber wir können nicht bleiben und der Augenblick vergeht schneller als die Flaschen im Kofferraum. Auf der Weiterfahrt durch die Appellation macht es Spaß sich zu verfahren, auf Feld- und Dorfpisten zu geraten und zwischen romantischen Hügeln, Wiesen und Wäldchen immer wieder Reben und Chateaux auftauchen zu sehen. 




















Chateau Le Boscq

Freitag, 7. Dezember 2012

Cru Classés mit Kernkraft

Für den Autofahrer auf der Route de Bordeaux von Carcans nach Pauillac scheint auf den ersten Blick ersichtlich, wo das andere Médoc beginnt. Freundlich und hell, mit modernen Schulgebäuden, vorbildlichen Fußgängerüberwegen und niedrigen Wohnhäusern markiert Saint-Laurent das Ende der waldigen Welt. Hier wachsen mehr Wiesen und Büsche als Bäume, aber wo sind die Reben? Während der Ort durchquert und verlassen wird und die Frage unruhig durch den Kopf flattert, muss das Auto hier eine Biegung und dort eine Kurve bewältigen und ist plötzlich so selbstverständlich von Weinfeldern umgeben wie ein Schiff, das den Hafen verließ, vom Meer. Die Wegweiser zu den großen Chateaux folgen einer nach dem anderen. Sie, die über Jahre die Vorstellungskraft beschäftigten und Sehnsüchte weckten, werden nun rasch und ohne Skrupel passiert. Es gibt zu viele.
Was schwingt allein im Klang des Ortsnamens Pauillac mit, der auf den Etiketten vieler bedeutender Weingüter und sogar von drei der fünf Premier Crus des Médoc steht. Oft wurde versucht, den Charakter der Pauillac-Weine zu beschreiben – als besonders fleischig, kernig, tanninbetont, mit überwältigenden Beeren-und Fruchtaromen. Sie werden als Inbegriff des Erlesenen, Festlichen und Luxuriösen vermarktet und vermögen beim Liebhaber einen Wirbel der Assoziationen auszulösen. Muss der Ort, nach dem sich die Weine nennen, nicht auch außergewöhnlich sein? Beim Besuch enttäuscht Pauillac auf angenehme Weise: Es handelt sich um ein hübsches, aber nicht besonders herausgeputztes, keinesfalls überhebliches oder snobistisches Hafenstädtchen. Plätze, Geschäfte und Wohnstraßen sind zugeschnitten auf die Bedürfnisse der Bewohner. Direkt vor dem Kirchenportal lässt sich gut parken.



















In der Kirche Saint-Martin wird der Blick auf die Tradition der Seefahrt statt auf den Weinbau gelenkt. 



Pauillac und seine Appellation sind keine künstliche Welt, sondern eine urbane Region, in der nicht jeder nur an Wein denkt. Solche Binsenweisheiten müssen erst einmal begriffen werden, wenn man aus dem reblosen Norddeutschland kommt. Es wäre nicht nötig gewesen, zum besseren Verständnis der realen Welt auch noch ein Kernkraftwerk in Sichtweite von Pauillacs Uferpromenade zu setzen.


Nur die Gironde trennt das Haut-Médoc vom Druckwasserreaktor Blayais. Atomkraft, nein danke, Crand Crus, ja. Zurzeit existiert beides in enger Nachbarschaft.


Sonntag, 25. November 2012

Vom Atlantik an die Gironde

Von Lacanau-Océan führt eine schnurgerade, nur von Kreisverkehren unterbrochene Straße ins 10 Kilometer entfernte Lacanau. Der Ort besteht aus Eigenheimsiedlungen, Amtsgebäuden, einem großen Einkaufs-und Tankstellenarreal und einigen Altbauten. Seine Atmosphäre bekommt er geschenkt. Man ist gleich am Atlantik. Generationen von Meeresbesuchern haben Lacanau auf dem Weg nach Lacanau-Océan passiert. Die Weingüter des Médoc sind nah.





















Die kleine Tanke in der übersichtlichen, wenig belebten Ortsmitte hat dichtgemacht.




Die Kirche Saint Vincent von 1765 mit Saint Jacques-Statue aus dem 17. Jahrhundert 
ist hingegen geöffnet.





     

Um ins Haut-Médoc zu gelangen, muss direkt am Ortseingang auf die Landstraße Richtung Hourtin eingebogen werden. Jetzt befinden wir uns schlagartig außerhalb der gut ausgebauten Urlauberrouten. Die Bäume scheinen dichter an die Straße zu rücken. Es fehlen die großen Abzweiger der Kreisverkehre und der Eindruck entsteht, uns auf einer Schneise durch die Wildnis ins Ungewisse zu bewegen. Dass wir durch forstwirtschaftliche Nutzgebiete fahren, verstärkt ihn nur. Hier hat außer Waldarbeitern niemand etwas zu suchen.
Umso überraschender und lichter taucht das Örtchen Carcans hinter den letzten Baumstämmen auf. Imponierend erhebt sich rechts von der Durchfahrtstraße die Eglise Saint-Martin.



Hoch aufragend und hell schimmern ihre neugotischen Fassaden durch den heftiger werdenden Regen. Und auch wenn die 2000 Einwohner zählende Gironde-Gemeinde ansonsten keine architekturhistorischen Auffälligkeiten zu bieten hat, reihen sich die Fassaden an der Hauptgeschäftsstraße zu einem unnachahmlich anheimelnden Bild eines französischen Provinzortes aneinander. Carcans liegt außerdem nicht nur in Nähe des großen, von Urlaubern als Alternative zum stürmischen Meer geschätzten Lac d' Hourtin – einem der größten französischen Seen – , sondern am Abzweiger Richtung Pauillac. Der Supermarkt am Ortsende scheint dem Umstand Rechnung zu tragen, dass für so manchen Badetouristen ein Tagesausflug in die Anbaugebiete des Haut-Médoc zur Ferienplanung gehört. Neben den durchschnittlichen, auch andernorts angebotenen Tropfen verfügt der Laden über Regale mit Grand Crus und namhaften Cru Bourgeois. Zuständig dafür ist ein rundlicher Mitarbeiter mit Kellerschürze, der die Kunden wie ein fröhlicher Winzer über seine Tropfen informiert.

Samstag, 17. November 2012

Die drei Gesichter des Médoc

Die großen, nach Paris führenden Reiserouten müssen verlassen werden, um ins Médoc zu gelangen – die Halbinsel zwischen Gironde und Atlantik. Von den Pyrenäen kommend lenkt der Reisende sein Auto südlich vor Bordeaux gen Westen und taucht in eine flache, von dichten Kiefernwäldern bewachsene Ebene, die oft von nur schmalen Straßen durchzogen wird. Dies ist nicht das Frankreich der weiten, betörenden Aussichten, der malerischen Fluss-und Hügellandschaften. Es ist auf den ersten Blick eine etwas düstere, monotone Welt, von der wir aber wissen, dass sie noch ein ganz anderes Gesicht hat: Neben der traditionellen Forstwirtschaft ist seit dem 17. Jahrhundert Weinbau ein bedeutender Wirtschaftsfaktor. Wo Boden und Klima es zulassen, bestimmen prächtige Châteaux mit ihren Weingärten das Bild, der Blick schwebt frei über das kultivierte Grün, hübsche kleine Städtchen liegen am Weg. Doch westlich vom Ufer der Gironde, dem Atlantik entgegen, sind Baumstämme die beständige Straßenkulisse.
In den Romanen des französischen, in Bordeaux geborenen Schriftstellers Francois Mauriac (1885 - 1970) spielen diese beiden Seiten des Bordelais – sie sind nicht nur im Médoc anzutreffen – eine eindrucksvolle Rolle. Mal hören seine Figuren das unheimlichen Knarren der Bäume in Winternächten, mal sehen sie hinter Rebenfeldern die Sommersonne auf der Garonne flimmern. Die Natur verschmilzt Seite für Seite mit den Seelenlandschaften der Figuren.


In seinem Roman "Thérèse Desqueyroux" konzentriert Mauriac sich auf die undurchdringlichen Kiefernwälder. Man kann mit ihnen Geld machen, sie als Versteck nutzen oder in ihnen fern der Zivilisation zugrunde gehen. Hingegen erscheint die lichte Weinlandschaft in "Fleisch und Blut" paradiesisch und weckt bei den Protagonisten Erinnerungen und Sehnsüchte. Doch je schöner die Natur, desto schärfer treten die menschlichen Konflikte und die Frage hervor, ob Hoffnungen je in Erfüllung gehen. Mauriac verklärt außerdem den Weinbau nicht, sondern beschreibt ihn als harte, aufzehrende Arbeit. Und er zeigt die Kehrseite des Genusses, den Alkoholismus.  

Die Weine des Médoc gedeihen nicht wie so viele andere bedeutende Tropfen in pittoresken Weinbergen, sondern auf flachem Schwemmland aus Kies, Ton und Lehm. Der Mangel an landschaftlichen Feinheiten erscheint dem Weinliebhaber geradezu wie eine Tugend. Ist doch dieses von salzigen Winden bestürmte "Terroir" zwischen Meer und Flüssen für die besondere Qualität der roten Cuvées aus Cabernet Sauvignon, Cabernet Franc, Merlot und Petit Verdot verantwortlich. 


Im Westen eröffnet sich neben dem Kontrastpaar Wein und Wald mit der Atlantikküste eine dritte Welt. Die Bäume reichen bis zu den Dünen, dahinter erstreckt sich unüberschaubarer Sandstrand. Die Wellen toben oft wild, der Sand schimmert seidig. Der Himmel erscheint am Abend wie in Pastellfarben auf feinem Porzellan und nach Sonnenuntergang wie eine aufgeheizte Opernkulisse. Nie verbirgt diese Meereslandschaft, dass sie eine südliche ist.






Freitag, 9. November 2012

Moselblut in Pauillac



Die Weinstöcke von Chateau Pontet-Canet liegen hinter den Panoramafenstern zu unseren Füßen, fernab von der Straße bilden sie ein autarkes Reich.
Wir sind über eine kleine Treppe in den ersten Stock geklettert und befinden uns in einer sonderbaren Umgebung – es könnte die Lounge eines Luxushotels sein, doch nahtlos wandern wir hinüber in die rätselhafte Welt der Kelteranlagen und Gärbottiche.



Ein letzter Blick zurück hinaus aus dem Fenster. Egal, wie jeder für sich persönlich den Begriff Terroir definiert – es wäre eine Untersuchung wert, in welcher Weise der Genuss von Wein durch den Besuch seines Entstehungsortes beeinflusst wird. Ein Mosaik zu einer solchen Erforschung kann ich sogar selbst beitragen, da ich später Pontet-Canet auf Chateau Pontet-Canet probierte. Mein Eindruck: Das Ehrfurcht weckende Rebenmeer des Gutes profitiert mehr vom Ruf der Flasche, als umgekehrt der Wein von der Besichtigung des Terroir. Nüchtern betrachtet unterscheidet es sich nicht von vielen anderen Anpflanzungen.


Die Kellertechnik großer Weingüter – wie sie den Most behandeln, die Gärung und Reifung beeinflussen – ähnelt sich. Ausführliche Erklärungen vor Ort helfen, Nuancen und Eigenheiten zu entdecken. Ein junger Mann aus Florida ist allerdings derart intensiv mit seinem Handy beschäftigt, dass er der Gruppe fast im Labyrinth der Holzfässer und Stahltanks verlorengeht.


So wie Lynch-Bages seine alten, nicht mehr benutzten Kelter - und Gäreinrichtungen ausstellt, kann auch auf Pontet-Canet ein Blick in die Vergangenheit geworfen werden. Mir stockt der Atem, als wir entlang von finsterem, verwittertem Mauerwerk in den alten Flaschenkeller steigen.


Am Ende stehen wir vor einem Gittertor, hinter dem sich viele Flaschengenerationen des Grand Cru Gutes stapeln. Das ist er! Ich fühle mich in den alten Flaschenkeller von Schlossweingut Meckling versetzt, den Christine Sowell zum ersten Mal mit Graf von Meckling betritt und durch dessen Gittertor sie später heimlich eindringt, um den Mord an ihm aufzuklären.



 Christine gelangt tiefer hinein als wir und stößt auf "Moselblut". 
Ihr Keller befindet sich allerdings in der Phantasie, oder?


In diesem Zusammenhang außerdem bemerkenswert: Im Krimi "Moselblut" geht es zwar vor allem um Weine von der Mosel, aber in einem Hamburger Restaurant trinkt Christine Sowell allein eine ganze Flasche Bordeaux: Les Hauts de Pontet 1995, den Zweitwein von Chateau Pontet-Canet…

Sonntag, 4. November 2012

Fron für die Flasche

"Allein das Erscheinen solcher Gestalten mitten in den Revieren des Bürgertums war ein Schlag ins Gesicht der Connaisseure, denn diese Leute hatten draußen zu bleiben, in ihrem Schmutz, dort, wo sie hingehörten."
Peter Weiss, Die Ästhetik des Widerstands



Über den Schlosshof schlendern, dann ins weiße, offene Elektromobil einsteigen und zurücklehnen. Im gemächlichen Tempo tuckern wir durch die Weinplantage, während der Guide über die Historie von Pontet-Canet und die heutigen Anbaumethoden berichtet. Kein Einsatz von Herbiziden. Ein biodynamisch zertifiziertes Grand Cru-Gut. Rosensträucher als Frühwarnsystem für Erkrankungen im Rebenfeld, wodurch eine optimale, schonende Therapie ermöglicht wird. Die Rundfahrt ist bequem, atmosphärisch, interessant – erstaunlich, warum nur sechs Besucher teilnehmen. Gibt es Berührungsängste gegenüber dem Luxusgüter-Produzenten? Keine Sorge, der in Deutschland übliche Weinkauf beim Winzerbesuch ist hier überhaupt nicht möglich und die gesamte Besichtigung inclusive Weinprobe gratis. Der Markt mag die Flaschenpreise in die Höhe geschraubt haben, wir befinden uns aber trotz aristokratischer Fassaden und kostspieliger Kellereinrichtung auf einem Bauernhof. Es geht hier um Früchte der Erde, deren Ernte und Verarbeitung zu bodenständigen Gedanken und Taten zwingen. Und Berührungsängste ganz anderer Art. Denn plötzlich trifft das Gefährt auf eine Gruppe von Menschen, die zwischen den Rebstöcken schuftet. Es sind vor allem junge, durchtrainierte Leute, viele aber mit verhärmten und angespannten Gesichtern. In manchen liegt eine sehnsuchtsvolle Trostlosigkeit, die den Betrachter im Golfwagen erschrickt. Einige der Arbeiter und Arbeiterinnen schauen genauer hin, wer da auf Vergnügungsfahrt durch ihre Malocherparzelle unterwegs ist. Als ob sie etwas erwarteten oder gar verlangten. Peter Weiss beschreibt in der Ästhetik des Widerstands, wie sich in der europäischen Malerei die Bildnisse hart arbeitender Menschen wandelten. Wie die Männer und Frauen schon bei Dürer nicht mehr nur als ausschmückende Objekte dienten, sondern ins Bildzentrum rückten und Selbstgefühl und Bewusstsein für den eigenen Wert zeigten. Aus den Minuten mit den Arbeitern in den Rebenfeldern hätte ebenfalls ein eindrucksvolles Gemälde entstehen können. Doch es würden sich kaum die fortschrittsgläubigen, sinnstiftenden Akzente herauslesen lassen, die Peter Weiss in seinen Bilderbeschreibungen formuliert. In seiner Gemäldegalerie vom Mittelalter bis ins 20. Jahrundert ist eine Arbeiterschaft mit einer klaren, gemeinsamen und erzwungenen Rolle zu erkennen. Eine gesellschaftliche Klasse. Hier, in einem Bordelaiser Anbaugebiet des 21. Jahrhunderts, bleibt unbekannt, warum die Arbeiter nicht in einer Uni oder in einem Büro sitzen, sondern die Rebstöcke entlauben. Warum viele ausgelaugt wirken. Wegen diesem Job oder auch aufgrund von Umständen, die sie den Job annehmen ließen? Was sich aber einbrennt, ist das Bild. Es gehört zur Geschichte des edlen, höchste Genussbedürfnisse befriedigenden Weins, der später in die Gläser fließt.
Der Besucher aus Arizona fragte, wieviel Geld die Leute für ihre Arbeit erhielten. Der Guide antwortete, er wisse es nicht.

Mittwoch, 31. Oktober 2012

Schock-Erlebnis



es gibt viele Möglichkeiten, den Besuch auf einem Weingut zu schildern. Beschreiben Sie die Atmosphäre, das Klima und die Grünanlagen, beschreiben Sie Ihre Befindlichkeit – wie Sie geschlafen haben und mit welchen Erwartungen Sie auf dem Chateau auftauchten. Oder beschreiben Sie einfach, was Sie über die Landschaft, die Menschen und die Weine der Region wissen.
Viel besser ist es jedoch, humorig zu sein. Machen Sie sich lustig! Auch abgedroschene Zynismen und Albernheiten kommen beim Publikum besser als alles andere an. Selbst ein schlechter Witz verschafft leichten Zugang zu jeder Welt und verlangt keine Vorstellungskraft.

Und was geht mich das Weingut an? Ich kann bei der Fahrt durch die Rebenfelder die atmosphärische, menschliche, wissende oder ironische Brille aufsetzen. Außer, es passiert etwas. 


Schön! Endlich ein Grund, etwas aufzuschreiben

Donnerstag, 25. Oktober 2012

Ackerphantasien

                                                            

Wozu  überhaupt Weingüter besuchen? Man schaut sich auch nicht unbedingt die Fabrikationsstätten seiner Schuhe, Bücher oder Brötchen an. Das Interesse an Winzerhöfen mag damit zusammenhängen, dass Wein auf eine ideelle Weise Landschaft und Klima widerzuspiegeln scheint. Vegetation, Geologie, Himmel und Sonne sind seine Produktionsfaktoren. Er ist aber nicht einfach nur ein landwirtschaftliches Erzeugnis, sondern in hohem Maße kulturell und ästhetisch geformt. Mensch und Natur scheinen bei seiner Herstellung kongenial zusammenzuarbeiten. Um ihr Werk zu würdigen, ist keine distanzierte Perspektive möglich, kein schrittweises oder abstraktes Erfassen. Urplötzlich mit einem Schluck verschmilzt der Genießer mit seinem Gegenstand und muss die Geschmackseindrücke wirken lassen. Er kann versuchen, Rebsorte, Klima und Lage ebenso wie Techniken der Weinbereitung, Fasstypen, Weingutshistorie und einiges mehr herauszuschmecken. Sogar tausende Kilometer vom Anbaugebiet entfernt dürfen Trinker über den Geist aus der Flasche phantasieren. Da kann der Wunsch unwiderstehlich werden, den Ort zu besuchen, an dem ihm Leben eingehaucht wurde.

Das Chateau taucht wie eine prächtige Oase inmitten der Weinfelder auf. Hier scheint man sich völlig auf die Arbeit zu konzentrieren – außer wenn Gäste kommen. Dass sie wichtig genommen werden, signalisieren bereits die 5-Sterne-Außentoiletten im vorderen Hoftrakt.
Wir befinden uns in einer irritierenden Welt. In einem landwirtschaftlichen Betrieb, einem Schloss mit Treckerparkplätzen und bei einem Hersteller von Luxusgütern, die in Staub, Dreck und schweißtreibender Arbeit gewonnen werden.


Der Hof liegt in heißer Nachmittagssonne. Wir sehen einem vornehm gekleideten Herrn zu, der vom Erscheinungsbild Schlossbesitzer, vom Verhalten Butler sein könnte. Er poliert die Scheiben eines eleganten Vans mit einem weißen Tuch, dann striegelt er sein schütteres Haar mit Blick in einen Handspiegel. Wartet er darauf, Robert Parker zurück zu seinem Hotel zu kutschieren? Ein Minibus rollt heran. Zwei leger gekleidete Amerikaner entsteigen den Rücksitzen. Sie wollen auch das Chateau inspizieren und begrüßen uns überschwänglich. Schließlich parkt eine schwarze Limousine auf dem Hof. Der Chauffeur im dunklen Anzug springt heraus und öffnet die Türen für ein junges Paar. Wir sind vollzählig.
Sechs Gäste und zwei Chateau-Angestellte besteigen zur Rundfahrt einen weißen Golf-Buggy. Die Weinfreunde aus dem Kleinbus fragen die Herkunft ab und sind begeistert, mit einem so breit gefächerten Querschnitt der Weltbevölkerung durch die Rebenlandschaft zu rumpeln: Zwei Menschen aus Arizona, zwei aus Florida und zwei aus Deutschland.

Wozu eigentlich mit einem Buggy durch die Rebenfelder fahren, frage ich mich, wo ich diese Zuchtlandschaft vom Auto sowieso den ganzen Tag gesehen habe? So einfach ist es nicht. Der prägende Eindruck bei dieser Tour wird die Begegnung mit den Weinarbeitern sein. Nebenbei zeigt sich, dass die Erbauer von Pontet-Canet den Namen ihres Chateau nicht buchstabieren konnten.

Donnerstag, 18. Oktober 2012

Ist es das Geld wert?





            Leider orientieren sich die Preise für eine Flasche Pontet-Canet in den letzten Jahren in Richtung 100 Euro – die des 2009er und 10 er Jahrgangs auch weit darüber hinaus. Will ich solche teuren Weine überhaupt trinken, macht es angesichts solcher finanziellen Hürden für ein Fläschchen Alkohol noch Spaß, das Gut zu besuchen? Ich habe mir diese Fragen tatsächlich vorher gestellt. Zumal ich schon seit geraumer Zeit strenger auf das Preis-Genuss-Verhältnis von Weinen geachtet hatte. Vorbei die Zeiten, wo im Überschwang der Gegenwert eines guten paar Schuhes, einer Bob Dylan-Konzertkarte oder eines Restaurantbesuchs für eine erlesene Flasche Wein leichthin geopfert wurde. So sind die Relationen und alles hängt von der Frage ab: Kann eine Flasche so wertvoll sein wie ein über mehrere Jahre getragenes Hemd oder ein zweistündiges Erlebnis in Theater oder Oper? Oder sind die Preise für besonders teure Weine durch Moden und Sammler bestimmt? Werden sie weniger durch einen spürbaren Gegenwert als durch Marktgesetze beeinflusst, die alles Begehrte und Rare teuer machen ­– unabhängig von der Qualität?
            Meine Versuche, entzückende Weine ohne Pseudoaufschlag zu entdecken, haben zu vielen Enttäuschungen geführt. Vermeintlich preisgünstige sind allzu oft die wahren Pseudo-Angebote gewesen. Dann gab es eine Menge ehrlich angebotenen Stoff im Bereich zwischen 8 und 16 Euro, der aber oft nur das Bedürfnis nach kulinarisch ansprechender Zerstreuung befriedigte. Keine tollen Schuhe. Keine Aufführung von Richard III., die lange nachwirkt. Also auf zu Pontet-Canet. 

Dienstag, 16. Oktober 2012

Pontet-Canet



Chateau Pontet-Canet scheint sich im ewigen turnaround zu befinden. Mitte der 90er Jahre hieß es, das Weingut habe jahrelang unter seinen Möglichkeiten gewirtschaftet und sei einem Grand Cru Classé kaum würdig gewesen. Jetzt aber sei Besserung in Sicht – fort von zu rustikalen, tanninharten Tropfen hin zu mehr Eleganz und Komplexität. Dann stellte das Weingut auf biodynamischen Betrieb um, und wieder gibt es eine neue Zeitrechnung: Erst ab Mitte der 2000er Jahre – so sieht man es heute auf dem Gut – habe Pontet-Canet eine Stufe der Qualität erreicht, die den heutigen Ruf begründe. Tatsächlich ist das Chateau seither ein ernstzunehmender Konkurrent der besten Produzenten im Haut-Medoc und ergatterte mit seinem 2009er 100 Parker-Punkte.
Meine erste Flasche Pontet-Canet trug die Jahreszahl 1997. Ich hatte eine ganze Kiste äußerst günstig aus einem Karstadt-Keller erstehen können. Bei fast jeder dieser 12 Flaschen hatte ich den Eindruck, einen anderen Wein zu trinken. Manchmal mit großen Genuss und Begeisterung. Häufiger rätselnd, was der Wein mir eigentlich sagen will und oft enttäuscht. Ein Grund dafür kann aber sein, dass ich die Weine viel zu jung getrunken habe.
Es war aufregend, das Chateau jetzt selbst zu besuchen. Über eine schmale Straße, die auch zum Nachbarn Mouton Rothschild führt, und weiter eine Piste in den Reben entlang. Durch ein Tor geht es in einen großen Park, an dessen Ende das schön gelegene, vornehm wirkende Chateau auftaucht.   

Samstag, 13. Oktober 2012

Genieße ich einen Grand Cru anders…

… wenn ich sehe, wie er in Pauillac produziert wird?


Kurz vor der Ernte




Kellertechnik früher


Kellertechnik heute





Hier kommt der Wein in
die Flasche




Nein.

Sonntag, 7. Oktober 2012

Weinbereitung Bordeaux: Alles rein mechanisch?

Eigentlich hat das Bordelais den Ruf, gegenüber modernen manipulativen Methoden der Weinbereitung sehr aufgeschlossen zu sein. Chaptalisierung (Zusatz von Zucker, um den Alkoholgehalt zu erhöhen) und Mostkonzentration, um den Wein konzentrierter schmecken zu lassen, scheinen laut der Weinliteratur noch die harmlosesten, fast schon traditionellen Hilfsmittel zu sein. Chateau Lynch Bages, das auch mal "Mouton des kleinen Mannes" genannt wurde, steht im Ruf, konsumfreundliche Pauillacs zu bereiten. Auf dem Grand Cru-Gut im Haut Medoc weist man die Unterstellung jedoch weit von sich, dem Wein "etwas zuzusetzen". Chaptalisierung habe es nur früher gegeben und Mostkonzentration schien, als ich bei meinem Besuch danach fragte, nicht einmal bekannt zu sein. Gleichwohl wird moderne Kellertechnik mit stählernen Gärbehältern gepriesen, wodurch natürliche Qualitätsschwankungen der Jahrgänge weit besser ausgeglichen werden könnten als früher. Später kommt der Wein in Holzfässer, in denen sich feinstoffliches Sediment absetzt. Alle drei Monate füllen Chateauarbeiter den Wein in andere Fässer um, um ihn zu klären. Dabei wird der Weinstrahl im Licht einer Kerze (!) beobachtet. Sobald er sich dunkel verfärbt, fließt Sediment durch den Schlauch und der Vorgang wird beendet.




  

Montag, 9. Juli 2012

Auf der Suche nach der Documenta 13



Das „Buch der Bücher“ nennt sich der offizielle Ausstellungskatalog der Documenta 13. Das klingt ideenlos und pseudoblasphemisch, bekommt beim Streifzug durchs Fridericianum jedoch spontan einen Sinn. Es entsteht das Gefühl, nicht einer Ausstellung von Kunstwerken beizuwohnen, sondern einer ausgestellten Ausstellung. Die Documenta selbst ist eine Installation, was an sich kein Problem wäre. Das Problem ist, wenn die Kunstwerke verblassen. Ich habe spektakuläre Dinge gesehen. Tausende Jahre alte Frauenfiguren, Wandgemälde über den spanischen Bürgerkrieg, zeitlos schöne Stilleben, moderne Papierkonstruktionen und auch eine Skulptur, die es schon bei der ersten Documenta zu sehen gab. Ich habe das Gefühl, dass viele Objekte weniger auf mich wirken, als sie müssten. Und ich gebe der Documenta die Schuld. Sie ist das Regietheater der bildenden Kunst. Von Kunst begeisterte Nicht-Künstler erklären der Welt, mit welchen Augen wir sie sehen sollten. Wer die Zusammenstellung nicht versteht, braucht sich bloß einen der teuren Sekundär-Wälzer zu kaufen. Oder die ausführlichen Darlegungen neben den Objekten durchlesen, die keine Frage offen lassen. Die Documenta stellt Kunst nicht aus, sondern erklärt sie. Überall, in ihrer Struktur wie in ihren Beschilderungen, stiftet sie Sinn und heftet die Kunstwerke ein wie in einer – Dokumentation. Das raubt den Werken Energie. Manche Kunstwerke der Documenta sind nur für das Publikum gemacht, das auf die Documenta geht: 
Beim Entree empfängt den Besucher ein Raum aus Wind und wenige Schritte weiter ein Raum, in dem sich ein Pop-Singsang ewig wiederholt. Ich erinnere mich dabei an die goldenen Regeln der Literatur: Beschreibe, statt Botschaften zu verkünden. Werfe alle schönen Sätze aus dem Manuskript. Warum wirken die Installationen nicht poetisch auf mich? Nach meinem Eindruck, weil die Documenta sie doppelbödig macht. Auf dem doppelten Boden liegt die Interpretation. 
Ich höre Gespräche von anderen Besuchern. Inbrünstig und überhaupt nicht kritisierend gemeint, wird erklärt: "Man muss die Erläuterungen kennen, um es zu verstehen." Es ist als Selbstentschuldigung gemeint. Doch es gibt eine Chance auf der Documenta. Weitergehen, Stock für Stock, damit der Deutungsnebel sich senkt und etwas klar vor Augen erscheint wie die einfachen Strukturen aus Bast und Rattan von Sopheap Pich. Sinnliche Aufklärung nach all den Erklärungen!

Sonntag, 24. Juni 2012

Documenta 13: Kassel – herein



Kassel nachmittags im Regen, abends strahlt die Sonne durch den aufgelockerten Wolkenstreifen über dem Horizont. Darüber dunkelblaues Pastell, aber nicht mehr mit Unwetter drohend.
Der Kasselkessel: Hockt man in ihm, wirkt er ähnlich angenehm wie beim Passieren auf der Autobahn. Die Documenta muss allerdings nach Staus und Nordseesturmwetter warten.

Montag, 23. April 2012

Robert Edmond Alter: "Sumpfschwester. Ein Florida-Thriller" (Swamp Sister)


Ein Kleinflugzeug stürzt über den Sümpfen ab. Der Pilot und sein Passagier kommen um, werden aber ebenso wenig gefunden wie die kostbare Fracht: Mehrere zehntausend Dollar Lohngelder. Seither machen waghalsige Einheimische immer wieder den Versuch, die Absturzstelle zu finden. Viele kehren von ihren Expeditionen in den unmenschlich heißen, von Raubtieren und Insekten bewohnten Dschungel nie wieder zurück. Auch der Bruder von Shad nicht. Der junge Mann will den Vermissten bergen – und entdeckt eines Tages in einer Baumkrone eine Tragfläche…
Mit Robert Edmond Alter (1925 – 1965) taucht der Leser in eine archaisch-schöne, dumpf-brütende Welt von Menschen ein, die in Holzhütten hausen und Alligatoren jagen. 
Wir befinden uns in den Everglades, im Florida der 50er Jahre. Die junge Hauptfigur Shad besitzt den Charme eines Huckleberry Finn. Er ist verträumt und gerissen, ein Naturkind und klarer Beobachter seines sozialen Biotops. Als der Verdacht aufkommt, er habe den Geldschatz gefunden, gerät er in den Focus der Begehrlichkeiten: Seines trunksüchtigen Vaters, der jeden Cent für Alkohol und Prostituierte ausgibt, der jungen femme fatale Dorrie, des schnieken Brutalo Jort...
Auch zahlreiche andere Krimis erzählen über die Verwandlung von Kleinbürgern in mörderische Krieger ums große Geld, über erotische Verstrickungen und gemeine Intrigen. Robert Edmond Alter schafft etwas Besonderes. Obwohl seine Romanwelt phantastisch anmutet und sein Plot nach allen Regeln der Unterhaltungskunst gestrickt ist, wirken die Gefühle und Beweggründe seiner Protagonisten ernsthaft. Selbst in der Zeichnung von Nebenfiguren überraschen originäre Nuancen, die sie von Abziehbildern unterscheiden. Ihre gewaltige Bühne sind die Everglades. Es gibt kaum eine Szene, die nicht durch urzeitliche Sumpflandschaften, mäandernde Flussläufe, undurchdringliches Grün und exotische Tiere eine besondere Atmosphäre erhält. Robert Edmond Alter schildert die Landschaft poetisch und oft bedrohlich. Die Natur ist präsent in den Schweißperlen der Protagonisten, dem Durst und der Angst, sich tödlich in ihr zu verirren. Der Leser darf die Sumpfwelt sogar aus den Augen eines angeschossenen Alligators betrachten. Nicht nur hier kommt dem Buch der Ideenreichtum eines Autors zugute, der auch zahlreiche Kinderbücher geschrieben hat.
Hauptperson Shad ist deutlich keinem pur kriminalistischen Autorenhirn entsprungen. Seine Konflikte als Heranwachsender schwingen spielerisch mit, während die Jagd nach dem Geldschatz immer spannender wird: Die gewinnsüchtigen Strolche mutieren wie durch einen inneren Sog zu Mördern, der Einzelkämpfer verliebt sich auf der Flucht, die Stimme von Ordnung und Vernunft erweist sich als betrügerisch. Die Konflikte werden mit brutaler Gewalt zuende geführt, doch die Geschichte gerät damit nur wieder an ihren Anfang. 
Robert Edmond Alter gelingt ein Happy End, das wegen seiner Doppelbödigkeit Vergnügen bereitet. Verwunderlich ist trotz seines frühen Todes, warum der Autor nicht bekannter wurde. Thomas Wörtche findet in seinem Nachwort passende Worte (im Bastei Lübbe Taschenbuch, 1991): „Klassiker sind allseits bekannt und beliebt, sie werden gehätschelt und gepflegt und vor lauter Respekt fragt man schon gar nicht mehr nach ihrer Qualität. Andere Autoren und Bücher hatten nie die Chance, Klassiker zu werden. Sie muss man, wenn sie gut sind, hegen und pflegen, indem man sie würdevoll unter die Leute bringt.“